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Mietminderung bei Aufzugslärm

Gemäß den Bauordnungen sind Auszüge bei Neubauten ab fünf Geschossen Pflicht. Fehlt der Aufzug, kann der Mieter deshalb sogar die Miete mindern. Verursacht der Aufzug übermäßigen Lärm, kann der Mieter die Miete ebenfalls mindern.

Der Lärm entsteht im Maschinenraum, beim Anfahren, Abbremsen, Betätigen der Fahrstuhltür und beim Fahren selbst. Problematisch ist der Betrieb vor allem dann, wenn der Aufzugsschacht direkt an Aufenthalts- oder gar Schlafräume angrenzt.

Schallpegel maximal 30 db

Mieter können übermäßig störende Lärmbeeinträchtigungen beanstanden. Grundlage ist die DIN-Norm 4109 und die VDI-Richtlinie 2566.  Danach dürfen haustechnische Anlagen (Fahrstühle) in Wohn- und Schlafräumen im Hinblick auf den jeweils nächstliegenden Raum keinen höheren Schallpegel als 30 dB hervorrufen. Die technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm) hingegen betrifft nur die Lärmentwicklung in technischen Betrieben.

Die DIN-Norm 4109 legt Anforderungen an den Schallschutz fest, mit dem Ziel, Menschen in Aufenthaltsräumen vor unzumutbaren Belästigungen durch die Schallübertragung zu schützen. Außerhalb der Wohnräume sind durchaus höhere Schallwerte erlaubt: Türbewegungen bis 65 dB, ein Meter vor der Schachttür bei vorbeifahrendem Aufzug bis 55 db und in im Triebwerksraum selbst sogar 75 dB. Um alle diese Werte zu unterschreiten, empfiehlt die DIN-Norm  eine ganze Reihe bautechnischer Maßnahmen.

Minderungsfälle wegen Lärm durch den Fahrstuhl

Überschreitet der durch einen Aufzug verursachte Lärm in Wohngebäuden die Normwerte um mehr als 10 dB, nimmt die Rechtsprechung einer erheblichen Mangel der Mietsache an, der eine Mietminderung rechtfertigt (AG  Wiesbaden Urt.v.19.106, 93 C 2004/05).

Maßgebend sind dabei die meist stärker hörbaren Anfahrt- und Abbremsgeräusche, nicht die weniger wahrnehmbaren Fahrgeräusche des Aufzugs. Sind die Bremsgeräusche des Aufzugs in der Wohnung eines Mieters deutlich wahrnehmbar, kann dies eine Mietminderung von 10 % rechtfertigen (LG Berlin Urt.v.11.11.10, 67 S 241/08).

Beurteilungskriterien für Aufzugslärm

Die Einhaltung der Dezibel ist aber nicht allein maßgebend dafür, ob ein Mieter in seiner Wohnqualität über Maßen gestört wird. Im Vordergrund steht immer noch die eigenverantwortliche Feststellung des Gerichts im Einzelfall (OLG  München NJW-RR 1986, 1142).  Zur Feststellung der Dezibelzahl ist in der Regel ein Lärmgutachten erforderlich.

Wichtig ist, dass der Mieter die Häufigkeit der Fahrstuhlnutzung und die Zeiträume, in der der Fahrstuhl vornehmlich genutzt wird (tags, nachts), dokumentieren kann. Gelegentliche Störungen sind regelmäßig zumutbar. Wohnt der Mieter in einem Fünffamilienwohnhaus im 4. Stock, dürfte er weniger belastet sein, als wenn er in einem 20-stöckigen Hochhaus mit entsprechend mehr Bewohnern wohnen würde.

Inwieweit eine Lärmbeeinträchtigung unzumutbar ist, beurteilt sich nach dem Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen (BGH WuM 1993, 127), nicht danach, wie ein vielleicht besonders lärmempfindsamer Mensch die Situation einschätzt. Eine unzumutbare Störung der Nachtruhe kann bereits vorliegen, wenn der Ruhepegel im Schlafraum um 10 dB überschritten ist (Heizungsklopfen), auch wenn sich die Geräusche noch innerhalb der DIN 4109 von 30 dB halten (LG Berlin NZM 2000, 490).

Bei Altbauten kommt es darauf an, dass die zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes maßgeblichen Schallschutzvorschriften der DIN 4109  eingehalten wurden.  Die Norm in der Fassung von September 1962 ist aktuell in der Fassung von 1989 maßgebend, so dass nur Neubauten und umfassend sanierte Gebäude die Normwerte 1989 einhalten müssen.

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2 Antworten auf "Mietminderung bei Aufzugslärm"

  • ISchmid
    3. September 2013 - 08:49 Antworten

    Zum erforderlichen Lärmgutachten hätte ich eine Frage: von wem muß das Lärmgutachten wegen störendem Aufzugslärm bezahlt werden?
    Ist es so, daß bei Nichterreichung der erlaubten 30 db der Mieter dafür aufkommen muß? Und die Hausverwaltung nur dann, wenn die 30 db überschritten sind?
    Oder ist es in jedem Fall von der Hausverwaltung zu bezahlen?

    Und:Falls der Vermieter es mit Einwilligung des Mieters in Auftrag gibt, wie ist dann die Situation?

    Danke im Voraus für baldige Antwort!

    • Mietminderung.org
      3. September 2013 - 09:52 Antworten

      Hallo Frau Schmidt,

      danke für Ihren Kommentar. Leider kann ich Ihnen nicht sagen, wer die Kosten des Gutachtens trägt oder wie diese aufgeteilt werden. Ich würde mich mit einem Gutachter abstimmen und ebenso die Verwaltung / den Vermieter einbeziehen.

      Wenn nichts mehr hilft, lassen Sie sich rechtlich beraten.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

      PS: Ihre E-Mail Adresse ist nicht sichtbar.

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