Go to Top

Mietminderung bei Kinderlärm

Kinder sind Zukunft. Das muss jeder wissen, auch derjenige, der selbst keine Kinder hat. Dennoch müssen Eltern darauf achten, dass ihre Kinder zumindest die allgemeinen Ruhezeit einhalten (LG Hamburg WuM 1983, 21). Bei vermeidbarem Lärm innerhalb der allgemeinen Ruhezeiten hatte das Amtsgericht Neuss die Miete um 10 % gemindert (AG Neuss WuM 1988, 264).

Die Ruhezeiten sind meist in der Hausordnung oder einer Gemeindesatzung vorgegeben und erfassen die Zeiträume von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr und 20:00 Uhr bis 7:00 Uhr morgens.

Geht es um Kinderlärm, sind viele ältere Gerichtsurteile nicht mehr aktuell. Vor allem ist in der Rechtsprechung keine einheitliche Linie festzustellen, die Entscheidungen sind umstände- und einzelfallbedingt und teils wohl auch vom subjektivem Empfinden der Richter geprägt.

Kinderlärm ist sozialadäquat

In den letzten Jahren hat sich ein Bewusstseinswandel vollzogen, der zu mehr Toleranz gegenüber Kindern geführt hat und führen soll. Die Landesimmissionsschutzgesetze legen zunehmend fest, dass Kinderlärm Ausdruck selbstverständlicher kindlicher Entfaltung und grundsätzlich sozialadäquat und damit zumutbar ist.

Auch im Bundesimmissionsschutzgesetz heißt es neuerdings, dass Kinderlärm keine schädliche Umwelteinwirkung mehr ist. Der Gesetzgeber hat damit bewusst Klagen gegen Kinderlärm erschwert. Auf dieser Grundlage hatte der BGH (V ZR 204/11) den Fall einer Tagesmutter entschieden, die in ihrer Wohnung 5 Kleinkinder betreute. Der Nachbar hatte sich gestört gefühlt.

Was ist üblicher Kinderlärm?

Allerdings ist nur der mit dem üblichen kindgemäßen Verhalten verbundene Lärm von den Nachbarn hinzunehmen (OLG Düsseldorf WuM 1997, 221). Lachen, Weinen und Schreien von Kleinkindern ist normal und lebensimmanent (AG Kiel WuM 1983, 240). Kinder haben einen natürlichen Spiel- und Bewegungsdrang.

Üblicher Kindeslärm bestimme sich nicht nach den Ruhe- und Ordnungsvorstellungen Dritter, sondern nach den Wohn- und Lebensbedingungen sowie den Bedürfnissen der Kinder und ihrer erziehenden Eltern (AG Kassel 872 C 855/91). Bei der Beurteilung eine Geräuschkulisse komme es nicht auf die Empfindlichkeit an, sondern darauf, wie ein normaler empfindlicher Mensch ein Geräusch auf sich einwirken lässt (AG Kassel 13 C 35/89).

Ein Mieter kann sich nicht auf die Zusicherung einer Maklerin anlässlich der Anmietung der Wohnung beziehen, dass die Wohnanlage „von Kindern freigehalten“ werde. Der Mieter hatte die Miete halbiert, musste sich aber vom Gericht sagen lassen, dass seine Vorstellung, ein Recht auf Mietminderung geltend zu machen, wenn Nachbarn mit einem Kind einziehen, abwegig und menschenunwürdig sei (AG München 412 C 23697/99).

Rücksichtsloses Verhalten muss nicht hingenommen werden

Rücksichtsloses Verhalten kann natürlich nach wie vor unzumutbar sein. Springen Kinder im Obergeschoss von den Stühlen, können die Untermieter derart beeinträchtigt werden, dass eine Mietminderung berechtigt ist (LG Köln WuM 1971, 96: 10 % Minderung).

Kinderlärm im Freien

Spielen Kinder im Freien, muss der ausgehende Lärm, insbesondere auch der Lärm von Spiel- und Bolzplätzen, als zwangsläufige Folgeerscheinung hingenommen werden (OLG Düsseldorf DWW 1996, 20, VG Münster WM 1983, 176). Nutzen Kinder den Innenbereich einer größeren Wohnanlage vertragsgemäß für Sport und Spiel, können die Mieter die Miete wegen der Lärmbelästigung nicht mindern (LG München WM 1987, 121). Vor allem wenn Kinder wegen der Entwicklung des Straßenverkehrs auf Hinterhöfe angewiesen sind, müssen Mieter die damit verbundene unvermeidliche Lärmbelästigung hinnehmen (LG Berlin 61 S 288/85).

Gesetzgeber und Gerichte stellen immer mehr das mit den Spielmöglichkeiten verbundene Entwicklungspotential für Kinder in den Vordergrund. Bauherren werden teils gesetzlich verpflichtet, Spielplätze einzurichten.

Was Mieter bei Kinderlärm tun können

Der Mieter, der sich durch ungebührlichen Kinderlärm gestört fühlt, kann vom Vermieter verlangen (§ 541 BGB), dass dieser den Lärm abstellt und sich mit den für die Störung verantwortlichen Nachbarn auseinandersetzt. Der Mieter kann auch den Nachbarn direkt ansprechen und auf sein Problem aufmerksam machen. Unabhängig davon kann ein Minderungsrecht bestehen, dessen Höhe sich nach den Umständen des Einzelfalles richtet. Pauschale Ansätze sind angesichts der Vielgestaltigkeit der Sachverhalte und der Rechtsprechung kaum möglich.

Im Ergebnis muss sich jeder Mieter, der sich über Kinderlärm beschwert, bewusst sein, dass er seine Interessen denen der Kinder grundsätzlich unterordnen muss und nur in Fällen, in denen rücksichtslos und unnötigerweise Krach gemacht und nicht gespielt, sondern randaliert wird, eine Chance hat, sich effektiv zu wehren.

Bewertung abgeben: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 29 Bewertungen mit 4,03 von 5 Sternen.
Loading...
Was gelernt? Empfehlen Sie uns weiter:

Telefonberatung: Fragen Sie einen Anwalt auf Mietminderung.org

12 Antworten auf "Mietminderung bei Kinderlärm"

  • Sebastian
    17. Oktober 2014 - 15:22 Antworten

    Hallo,

    ich habe vor kurzen einen Mietvertrag unterschrieben. Nun erfahre ich von einem Mieter in dem Haus, dass im Stockwerk über mir einen alleinerziehende Frau mit 8 Kindern wohnt. Die Polizei und das Jugendamt sind hier Dauergäste. Komme ich irgendwie aus dem Vertrag raus, bzw. kann ich schon vor Beginn der Mietzeit die Miete mindern?

    • Mietminderung.org
      18. Oktober 2014 - 18:03 Antworten

      Hallo Sebastian,

      bevor Sie keine Miete zahlen, können Sie die Miete auch nicht mindern. Ich vermute, dass Sie erstmal beweisen, dass es einen Mangel gibt.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Markus
    29. Oktober 2014 - 15:58 Antworten

    Wenn ein Kind ruhig ist, man normal nichts hört es aber den lieben langen Tag in der Wohnung im Erdgeschoß so rum rennt, das man im 2. Stock meint ein LKW fährt draußen vorbei und das teilweise bis 23 Uhr ist das nicht mehr hinnehmbar, oder? Allerdings stellt sich die liebe Mama quer und meint wenn es mir nicht passt müsste ich ausziehen. Was kann ich tun? Mit einer Mietminderung ist es ja nichts getan, das bringt mir ja nichts. Ich möchte zumindest Abends Ruhe.

  • Andreas
    20. Oktober 2015 - 19:16 Antworten

    Ich habe vietnamesische Nachbarn, nette Leute, zwei Kinder (über mir). Die Kinder sind NIEMALS draußen auf dem Spielplatz, sondern toben wie irre in der Wohnung umher. Auch nachts übrigens. In der letzten Nacht z.B. wieder von 2.00 bis 3.30 Uhr und ab 5:40 Uhr mit lautem Gejaule und Trampeln.

    Glauben Sie nicht, dass ich vom Vermieter, einer Wohnungsbaugesellschaft, ernst genommen werde. Oder dass diese gar sich um eine Einhaltung der Hausordnung bemüht. Ich bin schon 2x ein Wochenende ins Hotel gezogen, um überhaupt mal schlafen zu können. Eine direkte Verständigung mit den Nachbarn ist leider nicht möglich, da die Erwachsenen praktisch kein Deutsch sprechen (wie haben sie den Mietvertrag unterschrieben und die Einwanderung bewerkstelligt?) und die Kinder noch zu klein sind.

    Es kommt nicht selten vor, dass der Hausfrieden eben NICHT von grantigen alten Knackern gestört wird. Leider ist man da völlig rechtlos.

    • Petra
      3. Dezember 2015 - 00:57 Antworten

      Hallo Andreas! Ich kann dies nur bestätigen. Seit August 2014 geht es uns auch so. Leider sind auch die Eltern sehr laut und nicht nur die Kinder. Verständnis ist gleich 0, denn sie sind der deutschen Sprache mächtig. Haben auch die Hausordnung auf vietnamesisch bekommen. Sehr viele Abmahnungen durch den Vermieter, aber der traut sich nicht zu kündigen, da er nicht glaubt, dass ein Richter uns recht gibt.
      Wir ziehen dann auch ab und an ins Hotel. Dazu kommt, dass ich chronisch krank bin und den Lärm langsam aber sicher nicht mehr ertrage. Es gibt kein einziges Mal am Wochenende Ruhe.
      Bei versuchten Aussprachen bekommt man die Tür vor den Kopf geknallt. Sie haben ein anderes Lärmverständnis und nehmen keine Rücksicht. Ganz im Gegenteil, sie werden dann noch frech und dann wird noch mehr Lärm gemacht. Ich werde demnächst das Jugendamt einschalten. Wir sind keine Nörgler, hatten selbst zwei Kinder und jetzt 5 Enkel, aber derartigen Krach haben wir noch bei keinem Nachbarn erlebt. Wir wohnen schon 20 Jahre in dieser Wohnung. Davor wohnte auch eine Familie mit Kleinkind über uns. Wohlgemerkt sie wohnten und lebten dort und randalierten nicht. Es ist toll, wenn man in der Nacht ständig wach wird, durch irgendwelches Knallen auf dem Boden, an den Heizkörpern oder an den Wänden. Oft hat man das Gefühlt, dass der Boden zusammen bricht. Ohne Erlaubnis haben sie Laminat ohne Trittschalldämmung verlegt. Wir kämpfen jetzt darum, dass wenigstens dies verändert wird.
      Ich wünsche ihnen als Leidengefährte, etwas Ruhe und Schlaf.
      Nur wer es selbst leben muss, weiss wie schlimm dieser Zustand ist.
      Übrigens, die Asiaten kennen 8 verschiedene Arten des Lächelns. Nicht jedes Lächeln ist freundlich gemeint. Es kann auch Hohn bedeuten.

  • Heinz B.
    17. Februar 2016 - 12:05 Antworten

    Hallo Andreas
    Hallo Petra,

    ich kann euch das gut und gerne nachfühlen. Wohne mit meiner Frau seit 20 jahren in einer Mietwohnung (8 Parteien) und es war immer ruhiges und freundliches Wohnen. Das ist seit einem halben Jahr vorbei. Nachdem eine ältere Dame ins Altenheim ging, zog dort eine Farbige mit ihren zwei Kinder ein. Seit dem ersten Tag ist dort Holland in Not. Ständiger Krach, Lärm, gepolter, stampfen auf dem Boden und getrampel gehören zu unserem Alltag. Es gibt kein Geräusch was sich dort über uns noch nicht zugetragen hatte. Selbst in Mittagszeiten und Abends bis in die Nacht wird dort Lärm verursacht.Gespräche nützten garnichts obwohl sie deutsch spricht, aber „Deutsch sprechen heisst ja noch lange nicht auch deutsch zu verstehen“. Ich mach doch nix heisst es dann. Die Wohnungsgesellschaft vermittelt zwar, aber so richtiges Interesse an dieser Sache hat man dort nicht. Wir müssen das so hinnehmen denn es ist halt eben Kinderlärm, sagt man. Nun haben wir die Sache einem RA übergeben, denn meiner Meinung, ist das kein „üblicher Kinderlärm“ mehr weil es ja nicht besser oder weniger wird sondern es steigert sich immer mehr, je mehr sie Briefe bekommt egal von welcher Seite. Schauen wir mal wie es sich entwickelt. Bei diesem Gesetz (Bundes-Immissionsschutzgesetz) ist der Schuss nach hinten losgegangen.

    • Mietminderung.org
      19. Februar 2016 - 02:18 Antworten

      Hallo Heinz,

      danke für das Teilen Ihrer Erfahrungen auf Mietminderung.org.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Renate B.
    2. Juli 2016 - 11:51 Antworten

    Hallo Andreas,
    Hallo Petra,
    Auch ich kann Euch sehr gut nachfühlen. Ich wohne mit meinem Mann 16 Jahre in einer Mietwohnung (11 Parteien ).Wir haben durch andere über uns wohnende Mieter schon viel erlebt, mussten öfters die Polizei anrufen, damit sie in der Nacht für Ordnung sorgen. Jetzt wohnt über uns eine polnische Familie mit einem Kind. Seit 1 Woche ist ständiger Krach durch Umbauarbeiten und das Kind trampelt den ganzen Tag in der Wohnung herum. Was nützt eine Beantragung einer Mietminderung die vor Gericht nicht durchgesetzt wird. wir sprechen hier aus Erfahrung. Wir sind beide Rentner und krank und können nicht den Umzug bezahlen. Es gibt auch keine bezahlbare Wohnung im Ort. Die Wohnungsbaugenossenschaft interessiert das nicht. Hauptsache sie haben ihre Miete.

  • Annabelle H.
    16. August 2016 - 19:32 Antworten

    Es geht mir ganz genauso!
    Ich arbeite in Schichten und brauche dringend meine Ruhe und meinen Schlaf! Die Arbeit ist sehr anstrengend und ich habe vielen Menschen gegenüber eine hohe Verantwortung, die mir quasi ihr Leben anvertrauen!
    Die Mieter über mir, sind 1-2 Jahre später eingezogen. Also, seit ca. 5 Jahren muss ich dieses Getrampel, Gepolter, etc. ertragen!
    Die Vermieterin hatte wohl durch den Freund (Laie) das Laminat verlegen lassen. Dieses hat praktisch keine Dämmung. Ich höre sogar das umdrehen im Bett, welches eine Klappcouch auf dem Boden ist! Das Kind ist mittlerweile ca. 2,5 Jahre alt und ist permanent laut am schreien und trampeln! Mehrere Beschwerden haben kein Ergebnis gebracht. Im Gegenteil, wird absichtlich noch mehr Krach gemacht!
    Die Mieter gehen beide nicht arbeiten (außer anscheinend stundenweise und vermutlich schwarz)! Ich bin mittlerweile soweit, dass ich mir Möglichkeiten ausdenken, wie man so ein asoziales Pack, auf andere Weise loswerden kann! Wenn die Gerichte, mit solchen Entscheidungen, uns Arbeitnehmer oder andere ordentliche Bürger, so wenig schützt.

  • Evelyn P.
    23. September 2016 - 16:58 Antworten

    Hallo,

    wir wohnen seit über 20 Jahre in einem Mehrfamilienhaus.
    Es war hier immer ruhig. Seit diesem Sommer hat es sich sehr verändert, ein neues Mehrfamilienhaus wurde in der Straße gebaut und bezogen. Die Kinder aus diesem Haus kommen alle auf unsere Wiese und sind dermaßen laut, das es unerträglich geworden ist. Mehrere Gespräche führten zu nichts, außer Beleidigungen und Bedrohungen durch die Eltern. Wir mussten sogar schon die Polizei rufen. Der Vermieter wurde, schriftlich und persönlich, öfter informiert auch durch andere Mieter.
    Hinzu kommt noch, dass über uns der Sohn von einer dieser lauten Familien eingezogen ist. Es ist oft laut und unser Balkon ständig voll mit Zigarettenasche. Mehrere Beschwerden bei dem Nachbar oben, brachten nichts ausser ständiger Provokationen. Wir konnten praktisch den ganzen Sommer unserern Bakon nicht benutzen,da die Lautstärke unerträglich war, selbst bei geschlossenen Fenstern, bei teilweise 35 Grad.
    Wir sind nervlich am Ende und wissen nicht, was wir tun sollen. Wir haben Bilder und Videos an den Vermieter geschickt.
    Heute morgen war wieder alles voll mit Zigarettenasche.

    • Mietminderung.org
      28. September 2016 - 17:05 Antworten

      Hallo Evelyn,

      danke für das Teilen Ihrer Erfahrungen.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.