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Mietminderung: Kein Strom in der Wohnung

Eine Wohnung ohne Stromversorgung gilt als nicht bewohnbar. Befindet sich die Wohnung des Mieters dann nicht im vertragsgemäßen Zustand, kann er die Miete mindern. Eine Mietminderung für den Fall, dass kein Strom in der Wohnung ist, richtet sich nach den Umständen.

Mieter ist selbst Vertragspartner des Stromlieferanten

Ist deshalb kein Strom in der Wohnung, weil das Energieversorgungsunternehmen infolge des Zahlungsverzugs des Mieters mit den Abschlagszahlungen für die Stromlieferung den Stromzähler ausgebaut hatte, kann der Mieter selbstverständlich keine Mietminderung vornehmen (BGH Urteil v. 15.12.2010, Az. VIII ZR 113/10). Denn dann hat der Mieter das Problem selbst verursacht und kann nicht den Vermieter für seine Situation verantwortlich machen.

Vermieter ist Vertragspartner des Stromlieferanten

Ist die Stromsperre dadurch begründet, dass der Vermieter als Vertragspartner des Stromlieferanten keine Zahlungen leistet, kann der Mieter die Miete mindern und in der Regel auch fristlos kündigen (LG Saarbrücken WuM 1995, 159).

Der Mieter kann dem Problem dadurch entgehen, dass er direkt an das Versorgungsunternehmen zahlt. Der Vermieter darf dies nicht verhindern (AG Münster WuM 1995, 699). Der Stromlieferant darf die weitere Belieferung auch nicht davon abhängig machen, dass der Mieter die noch offenen Stromrechnungen des Vermieters bezahlt (LG Cottbus WuM 2000, 134).

Vermieter darf nicht eigenmächtig Strom abstellen

Ist der Mieter mit der Miete und den Nebenkosten im Zahlungsrückstand, darf der Vermieter die Versorgung nicht unterbrechen (KG Berlin GE 2005, 1429). Der BGH hatte in Bezug auf ein Gewerbemietverhältnis entschieden, dass der Vermieter bei Zahlungsverzug des Mieters ausnahmsweise die Energieversorgung unterbrechen darf (BGH WuM 2009, 469). Inwieweit diese Entscheidung auf Wohnraummietverträge übertragbar ist, ist derzeit nicht entschieden (Stand 1.3.2013).

In diesen Fällen handelt der Vermieter möglicherweise in verbotener Eigenmacht und muss sich darauf verweisen lassen, das Mietverhältnis gegebenenfalls fristlos zu kündigen. Das AG Berlin Neukölln (MM 1988, Nr. 5 S.31) stellte fest, dass eine Wohnung ohne Strom unbewohnbar sei und gewährte dem Mieter 100 %Mietminderung. Der Einwand des Vermieters, der Mieter befinde sich im Zahlungsverzug, wurde zurückgewiesen.

Mieter hat Anspruch auf Mindeststandard der Stromversorgung

Ein Mieter darf nach einem Grundsatzurteil des BGH (Az. VIII ZR 192/03) auch in einer nicht modernisierten Altbauwohnung einen Mindeststandard an Stromversorgung erwarten, der ihm ein zeitgemäßes Wohnen ermöglicht und den Einsatz der für die Haushaltsführung allgemein üblichen elektrischen Geräte erlaubt.

Zwar müsse der Vermieter nicht den jeweils neuesten technischen Standard gewährleisten. Jedoch dürfe ein Mieter erwarten, dass der vertragsgemäße Gebrauch einer Wohnung eine solche Lebensweise zulässt, wie sie seit Jahrzehnten üblich ist und dem allgemeinen Lebensstandard entspricht. Eine angemessene Stromversorgung dürfe unabhängig vom Baujahr des Gebäudes oder einer Modernisierung der Wohnung erwartet werden.

Dazu gehöre, dass der Mieter zumindest ein größeres Haushaltsgerät, wie Waschmaschine oder Geschirrspülmaschine und gleichzeitig weitere haushaltsübliche Elektrogeräte (Staubsauger) in der Wohnung gleichzeitig benutzen könne. Zur zeitgemäßen Stromversorgung gehöre auch, dass das Badezimmer über eine Stromversorgung verfügt.

Anders liegt der Fall dann, wenn die Vertragsparteien in Kenntnis der Mangelzustände den Mietvertrag geschlossen und bewusst auf das Vorhandensein eines Mindeststandards verzichtet haben.

Weitere Einzelfälle aus der Rechtsprechung:


LG Potsdam (WuM 1997, 677): 20 % Minderung, wenn Lichtschalter defekt und Verteilersteckdosen durchgebrannt sind;

AG Hamburg (WuM 1975, 53): 50 % Minderung, wenn nur 3 von 15 Steckdosen funktionieren;

AG Berlin-Neukölln (MM 1988, 151): 100 % Minderung, wenn vollständiger Ausfall der Stromversorgung für Licht, Küche und Warmwasser.

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9 Antworten auf "Mietminderung: Kein Strom in der Wohnung"

  • Rosina Rettstadt-Börding
    16. September 2014 - 08:56 Antworten

    Meine Tochter hat ihr altes Mietverhältnis fristgerecht zum 31.10.2014 gekündigt. Da sie bereits eine neue Wohnung gemietet hat erfolgte der Umzug am 1.9.2014. Seit dem 3.9.2014 befindet sie sich in einer Kur an der Ostsee. Nun betrat am 15.9.2014 der Vermieter unberechtigt mit einem Herrn der Stromversorgung die alte Wohnung und hat den Strom abstellen lassen. Meine Tochter ist selber Kunde beim Stromversorger und ist nicht in Zahlungsverzug. Kann man diese eigenmächtige Tat des alten Vermieters als fristlosen Kündigungsgrund verstehen und die Miete um 100% reduzieren? – Vergleich AG Berlin Neukölln ( MM 1988 Nr. 5 S. 31) Für eine baldige Auskunft wäre ich dankbar.
    Mit freundlichem Gruß
    Rosina Rettstadt-Börding

    • Mietminderung.org
      16. September 2014 - 11:29 Antworten

      Hallo Rosina,

      danke für Ihren Beitrag. In erster Linie frage ich mich, warum der Vermieter einen Schlüssel hat? Ich kann Ihnen hier leider auch nur den Tipp geben, dass Sie sich auf Rechtsprechung stützen – oder noch besser: sich rechtlich beraten lassen.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Saido
    9. November 2015 - 15:30 Antworten

    Hallo Mietminderung.org

    Bei mir liefert der Vermieter Strom, da es keine öffentliche Leitung in meine Wohnung gibt.
    Der Strom fällt immer wieder aus, den Vermieter kümmert das nicht, manchmal für Tage.

    Der Sicherungskasten befindet sich im Keller des Vermieters im Nebengebäude.

    Was kann man tun, um verlässlich Strom zu haben?

    Viele Grüsse,
    Saido

  • Michael T
    25. Juni 2016 - 15:30 Antworten

    Hallo,
    bei meiner Mutter im Haus ist durch das Unwetter in den letzten Tagen Wasser eingedrungen und hat dabei Kurzschlüsse im Sicherungskästen ausgelöst.
    Nun hat kein Mietrer im Haus Strom.
    Der Vermieter hat nun ein Stromaggregat angeschleppt um die Mieter darüber mit Strom zu versorgen.
    Kühlschrank, Gefriertruhe (im Keller), Warmwasserbereiter und Licht funktioniert darüber allerdings nicht da nun jeder nur eine Steckdose im Flur liegen hat und sich daraus mit Strom versorgen soll.
    Wie lange die Reparatur dauern kann ist noch unklar.
    Wie sieht es in dem Fall mit Mietminderung aus? Erstattung eventuell anfallender Hotelkosten?
    Außerdem ist über die Belüftung des fensterlosen Bades Wasser an den Wänden heruntergelaufen.
    Wird dieser Schaden durch die Hausratversicherung abgedeckt oder ist das auch Sache des Vermieters?
    Vielen Dank im Voraus für ihre Antworten
    Michael T.

  • Ferhat Mahmut
    26. Juli 2016 - 13:26 Antworten

    Hallo,

    am Samstag Mittag fiel der Strom in meiner Wohnung komplett aus. Davor hatte ich auch immer wieder Stromprobleme. Ich konnte den Vermieter nicht telefonisch erreichen, weil sein Büro Sa-So geschlossen ist. Deshalb habe ich einen Elektriker angerufen. Er kam zu uns hat festgestellt (wie alle anderen Elektriker zuvor kamen) dass alle Anschlüsse nur eine Leitung hatten und das es Lebensgefährlich ist. Ich musste 535€ bezahlen. Welche Rechte stehen mir zu?

    Vielen Dank voraus

  • M. Renners
    8. August 2016 - 12:46 Antworten

    Guten Tag,

    bei meiner Wohnung ist seit letzter Woche die komplette Küche sowie das Badezimmer ohne Strom.
    Ein Elektriker hat sich dies bereits angesehen, die Leitungen müssen wohl komplett erneuert werden. Bis dies geschieht würde ich gern wissen, ob eine Mietminderung möglich ist und wenn ja, in welcher Höhe. Vielen Dank im Voraus.

    • Mietminderung.org
      10. August 2016 - 11:06 Antworten

      Hallo Herr Renners,

      leider kann ich Ihnen hier keinen festen Satz für eine Mietminderung benennen. Im Idealfall einigen Sie sich einvernehmlich mit dem Vermieter. Im Zweifel sollten Sie nach Urteilen suchen, die Ihnen helfen können, eine angemessene Höhe zu ermitteln.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Jan
    17. April 2017 - 19:48 Antworten

    Hallo,

    ich habe in meiner Wohnung keinen Strom, weil der Vormieter seine Stromrechnungen nicht bezahlt hat. Der Stromzähler ist verblomt. Das Problem ist, dass ich meinen Mietvertrag noch immer nicht vom Vermieter zurück habe. Den Mietvertrag muss ich aber beim Stromversorger vorlegen, damit der Stromzähler entblomt wird. Ich habe mich anfangs mit meinem Vermieter darauf geeinigt, die erste Monatsmiete nicht zu zahlen und dafür selber die Wohnung renovieren. Ohne Strom konnte ich aber nicht allzu viel machen. Habe ich ein Recht auf Mietminderung?

    Vielen Dank für die Hilfe!

    Liebe Grüße

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