Go to Top

Mietminderung: Treppenhaus verschmutzt

Jeder Mieter möchte in einem ansehnlichen Umfeld wohnen. Ist das Treppenhaus verschmutzt, ist dieses Bild beeinträchtigt. Ob und inwieweit der Mieter die Miete mindern kann, hängt im Einzelfall davon ab, wann die Grenze der Zumutbarkeit überschritten ist.

Da es auf ein Verschulden des Vermieters nicht ankommt, muss der Vermieter eine Mietminderung des Mieters akzeptieren. Es bleibt seine, wenn auch leidige Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Treppenhaus nicht verschmutzt ist und muss eine grobe Verschmutzung im Treppenhaus und im Hausflur beseitigen.

Alles was Mieter und Vermieter zur Mietminderung wegen einem verschmutzen Treppenhaus wissen müssen, haben wir hier zusammengetragen.

Verschmutzt ist ein relativer Begriff

Gelegentliche und ein gewisses Ausmaß nicht übersteigende Vorfälle berechtigen nicht zur Mietminderung. Wo die Grenze verläuft, muss unter Einbeziehung des sozialen und wohnlichen Umfelds im Einzelfall anhand der Umstände bestimmt werden. Wichtig ist auch, was zum vertragsgemäßen Gebrauch gehört. Dabei sind Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme der Mieter untereinander ebenso in Ansatz zu bringen. Im Winter mit Schnee und Matschgelten auch andere Maßstäbe als im Sommer.

Ein Treppenhaus kann unterschiedliche Qualität haben

Schmutz oder eine grobe Verschmutzung des Treppenhauses wirkt sich in einem Gebäude mit einer sozial schwierigen Mieterstruktur eher weniger beeinträchtigend aus als in einem Haus, in dem die Mieter Anspruch auf einen hohen Wohnwert erheben.

Reinigungspflicht der Mieter bei Verschmutzung

In der Regel überträgt der Vermieter die Reinigung des Treppenhauses den Mietern. Jeder Mieter ist dann verpflichtet, an bestimmten Wochentagen im Wechsel mit den anderen Mietern das Treppenhaus zu reinigen. Reinigt der Mieter nicht, verstößt er gegen seinen Mietvertrag. Es ist dann Aufgabe des Vermieters, darauf zu drängen, dass der Mieter den Mietvertrag einhält und ordnungsgemäß reinigt. Ist der Vermieter für die Reinigung verantwortlich, ist er erst recht verantwortlich.

Fälle zur Mietminderung aus der Rechtsprechung:

Zahlt der Mieter eine ortsübliche Miete, darf er ein Treppenhaus „mittlerer Art und Güte“ erwarten. Ist dies nicht der Fall, ist eine Mietminderung von 5 % gerechtfertigt (AG Hamburg- Altona WuM 1996, 535);

Inwieweit Mängel des Treppenhauses zur Mietminderung berechtigen, beurteilt sich danach, in welchem Zustand das Treppenhaus sich bei Abschluss des Mietvertrages befand (KG Berlin RE WuM 1984, 42). Ist ein Treppenhaus sozialbedingt üblicherweise verschmutzt, kann der Mieter die Verschmutzung nicht nachträglich beanstanden.

Starke und ständige Verschmutzung der Flure, Treppenaufgänge des Fahrstuhls; 5 % Minderung (AG Kiel WuM 1991, 343);

Hundeexkremente im Treppenhaus: 20 % Minderung wegen Geruchsbelästigung und Beeinträchtigung des Wohnumfeldes (AG Münster, Urt.v. 22.06.1995, 8 C 749/94);

Verschmutzung infolge Bauarbeiten: 2 % (LG Berlin, Urteil vom 12.04.1994, 63 S 439/93);

Hundeurin im Treppenhaus, Geruchsbelästigung: 10 % Minderung (AG Berlin-Charlottenburg, Urt.v. 12.07.2010, 213 C 94/10), Die geforderte Mietminderung von 20 % wurde abgewiesen, da der verantwortliche Mieter alt, gebrechlich war und zeitweise im Krankenhaus lag;


Sind Treppenhaus und Hauszugänge völlig verwahrlost und verdreckt, Müll anderer Mieter, fehlende Reinigung, Hundeexkremente: 20 % Mietminderung (AG Dortmund WuM 1998, 570);

Wird das Treppenhaus als Baustelle mit Ablagerungen genutzt, ist eine Mietminderung berechtigt (LG Osnabrück WuM 19986, 93).

Bewertung abgeben: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 18 Bewertungen mit 4,17 von 5 Sternen.
Loading...
Was gelernt? Empfehlen Sie uns weiter:

12 Antworten auf "Mietminderung: Treppenhaus verschmutzt"

  • Markus
    7. September 2013 - 12:00 Antworten

    Ich habe eine Wohnung als Neubau Erstbezug gemietet. Bei Übergabe waren die Türzargen nicht fertiggestrichen und im gesamten Haus sind noch Bauarbeiten durchzuführen.
    Das Haus ist also offensichtlich nicht rechtzeitig fertiggestellt worden. Das gesamte Treppenhaus ist ständig verdreckt und nicht gestrichen.
    Nach Aussage des Vermieters soll dies auch etwa 4 Monate so bleiben! Wenn ich aus meiner Wohnung ins Treppenhaus gehe, schaue ich sofort in die Baustelle meiner gegenüberliegenden Wohnung, wo der Vermieter es nicht einmal für nötig hält dort wenigstens die Wohnungseingangstür einzubauen. Auf Rückfrage hin, würde er hinreiben Vorhang! anbringen. Da ich jetzt mit dem Studium beginne und ich extra eine Neubauwohnung ausgewählt habe, um keinen Ärger zu haben, habe ich nun das Gegenteil.
    Muss ich dieses Leben in der Baustelle einfach dulden? Die Baustelle ist darüberhinaus auch nur sporadisch besetzt, so dass man nicht wirklich erkennen kann, dass der Vermieter an einer schnellen Ftigstellung interessiert ist. Vielleicht will er abwarten, bis er die im Bau befindlichen Wohnungen vermietet hat, bevor er hier die Arbeiten forciert. Da er auf meine Kritik nicht reagiert und zudem noch meint, ich könne die Miete nur maximal um 10% mindern, habe ich den Endruck, dass er dies als für sich lukrativ so einkalkuliert und wie gesagt keine Motivation hat, die Arbeiten schnellst möglich und mit geeigneten Kapazitäten abzuschließen.
    Um wieviel soll ich die Miete denn nun mindern, da er die erste Miete ja im voraus bereits von mir bekommen hat? Ich bin nicht im Rechtsschutz.

    Vielen Dank im voraus für die Unterstützung

    • Mietminderung.org
      7. September 2013 - 21:06 Antworten

      Hallo Markus,

      die Höhe der Mietminderung können leider nur Sie bestimmen. Sie können sich an Urteilen (z.B. an den oben aufgeführten) orientieren. Geht es nicht nur um die Verschmutzung, sondern auch um Baulärm, kommt hier evtl. ein weiterer Mangel hinzu.

      Wichtig ist vor allem: Das der Vermieter Sie nicht darauf hingewiesen hat, dass das Haus sich noch länger im Bau befinden wird. Denn dann hätten Sie Vorkenntnisse bzgl. der Mängel gehabt.

      Wenn Sie alleine nicht mehr weiterkommen, würde ich an Ihrer Stelle einen Rechtsanwalt fragen.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Herr Karl
    25. September 2013 - 14:02 Antworten

    Hallo,

    kurze Erklärung zur Situation. Das Treppenhaus auf meiner Etage wird seit ca. 1 Jahr nur noch von mir gereinigt. Mündlich wurde der Wohngenossenschaft dies schon Anfang des Jahres mitgeteilt. Vor ca. 4 Wochen haben ich mich nochmal telefonisch in Verbindung gesetzt nachdem mündliche Absprachen und Hinweisungen mit den anderen Mietern nicht geholfen haben.
    Es wurde dann ein neuer Putzplan per Post geschickt, und wieder wird nicht geputzt. Ich habe am Montag dem 23.09.2013 wieder angerufen und dem zuständigen Sachbearbeiter gesagt das es nicht funktioniert und das ich die Kaltmiete angemessen mindern werde da es ein Mangel ist wenn nur ich als Mieter die Vertragsregeln einhalte.
    Zumal ein deutlicher Mehraufwand für mich entsteht wenn ich als einzige die Räumlichkeiten reinige. Es wurde mir mit einem Anwalt gedroht und das man sich dann vor Gericht wieder sehen werde.

    Meine Frage: Muss ich der Genossenschaft nochmal die Sache schriftlich mit Fristsetzung schicken um die Kaltmiete zu kürzen oder geht das sofort ab 1.10.2013?
    Denn ich habe mündlich und fernmündlich mehrfach auf die Missstände hingewiesen. Und kann ich nun auch aufhören zu putzen? Nach dem Motto „wenn-die-nicht-putzen-muss-ich-das-auch-nicht“ oder schieße ich mir damit ein Eigentor weil ich dadurch auch nicht meinen Pflichten nachkomme?

    Vielen Dank für Ihre Mühe!

    Mit freundlichen Grüßen

  • Daria
    14. September 2015 - 13:57 Antworten

    Hallo,

    In der jetzigen Wohnung wohne ich seit 3 Monaten. Der Treppenhaus sieht einfach nur grauenhaft aus. Die Wände sind richtig schmutzig, die Treppen sind kaputt und an manchen Stellen fällt einfach der Putz ab. Kann ich in dem Fall auch Mietminderung Sache „ansprechen“?

    Vielen vielen Dank :)

    Mit freundlichen Grüßen

  • Anne
    20. September 2015 - 19:42 Antworten

    Hallo,

    seit längerem lässt unser Hausmeisterservice, der auch für Reinigung von Treppenhaus/Keller/Garten und Mülltonnen an die Straße stellen, zuständig ist, zu wünschen übrig (Treppenhausreinigung und Mülltonnen rausstellen wöchnetlich). Da ich nur für den Zeitraum eines Monats sprechen kann (bin arbeitsbedingt auch mal mehrere Monate nicht in dieser Wohnung, aber andere Mieter beobachten das schon über einem längeren Zeitraum und mahnten Vermieter an), frage ich mich, wie ich was üblicherweise an Miete kürzen darf. Mittlerweile stellen wir Mieter den Müll raus und ich übernehme auch teils die Treppenreinigung. An sich ist das kein Probolem, wenn das nicht die Aufgabe des Hausmeisters wäre und wir nicht für sein Nichtstun zahlen müssten. Vor einer Woche habe nun auch die HV und den Vermieter über die zunehmenden Missstände informiert und Mietminderung – ohne einen genauen Prozentsatz anzugeben – angedroht.Von den anderen Mietern habe ich aber auch schon gehört, dass sie seit Wochen auf Antwort warten.

    Danke im Voraus für die Hilfe :)

    Anne

    • Mietminderung.org
      22. September 2015 - 17:22 Antworten

      Hallo Anne,

      in meinen Augen sollten Sie auf eine bessere Leistung des Hausmeisters drängen. Eine Mietminderung wegen dieser kleinen Mangel lohnt sich nicht und bringt Ihnem mehr Ärger als Nutzen. Man beachte auch die Risiken.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Andreas
    8. Oktober 2015 - 08:09 Antworten

    Hallo,
    es geht um regelmäßige, massive Verunreinigungen durch Kot und Urin im Treppenhaus und den Zugängen zu den Kellerräumen.
    Wir sind seit 2 Jahren in einem Mehrfamilienhaus zur Miete. Insgesamt sind es 10 Parteien, 80% Eigentümer 20% Mieter. Seit einem halben Jahr eskalierte der Streit der Eigentümer mit der Folge, dass es sowohl keinen Verwalter wie auch keinen Hausmeister mehr gibt, von Reinigung ist gar nicht zu sprechen. D.h. die Hinterlassenschaften werden nicht entfernt und es herrschen tage-/wochenlange unhygienische Zustände, bis sich die Sache in `Luft` aufgelöst hat.
    Es gibt keine Reinigung und alle Versuche, die Vermieterin zu einer Lösung mit der Eigentümergemeinschaft zu drängen, verlaufen ins Leere.
    In welcher Höhe ist eine Mietminderung angebracht?

    • Mietminderung.org
      8. Oktober 2015 - 14:25 Antworten

      Hallo Andreas,

      danke für Ihren Beitrag. Ich kann Ihnen leider nur raten, sich nach ähnlicher Rechtsprechung umzusehen, diese kann Ihnen Ansatzpunkte für die Höhe der Mieterminderung gebe.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Alisha
    22. September 2016 - 16:35 Antworten

    Hallo,

    wir wohnen 2 Jahren in einer Souterrainwohung und seit knapp 1. Jahr schimmelt der Vorflur sehr stark.
    Nach mehrmaligen Anforderung an den Vermieter dies zu beseitigen kam nur „Sie müssen sich an den Verwalter wenden“.
    Ich meldete mich also mehrfach an den Verwalter und es geschah nichts bis ich dann einen Brief aufsetzte und meinen Rechtsanwalt erwähnte. Nach 2 Wochen wurden die unteren Hälften von den Tapeten abgekratzt und somit wurden nach meiner Meinung die Schimmelsporen noch intensiver freigesetzt, da der Schimmel tief in denkenden sitzt. Dies ist auch schon wieder 3 Wochen her und nichts ist passiert. Bei dem Vermieter habe ich mich diesbezüglich vor 2 Tagen gemeldet und habe eine Mietminderung erwähnt. Natürlich fand er das nicht gut und hat mich gleich angepöbelt… Der Vorflur gehöre nicht mit zur Mietwohnung und es würde auch keine Mietminderung deswegen geben.

    Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Bin damit echt überfordert und fühle mich „verarscht“.

    Warum es dort Schimmelt? Vor 5 Jahren war hier ein Wasserschaden, die Wohnung wurde zwar saniert aber der Vorflur nicht.
    Beim Einzug hat er uns davon nichts erzählt, dies haben wir dan von Dritten erzählt bekommen und zwar nicht nur u sere Wohnung war unter Wasser sondern wohl die ganze Straße.

    Ich suche verzweifelt Rat..

  • Lea
    11. Oktober 2016 - 14:52 Antworten

    Hallo,
    ich wohne zur Miete, in meinen Nebenkosten sind die Reinigungskosten für das Treppenhauses inclusive. Aber seit Anfang des Jahres wird dieser nicht richtig gereinigt. Die 2 Personen fegen die 4 Etage lediglich durch, ganz selten wird mal gewischt- aber auch hier wird nur der Dreck von links nach rechts geschoben. Der Fussboden ist dunkel und sieht immer sehr verdreckt aus.
    Hinzu kommt noch, dass die „Firma“ sich bei uns Mietern durchs Haus klingelt, um eingelassen zu werden. Das kann abends aber auch zu verschiedenen Zeiten am WE sein. Ich betrachte dieses nicht als meine Aufgabe.
    Bei der Verwaltung haben einige Mieter schon schriftlich eingereicht, dass die Reinigung des Flures nicht funktionert- natürlich gab keine Antwort…
    Was kann man hier tun? Wir wollen uns jetzt stur stellen und die Firma nicht mehr reinlassen, aber auf der and. Seite wird der Flur gar nicht mehr gereinigt.
    Lea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.