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Mietminderung: Nachbarn

Um in Frieden zu leben, braucht es immer zwei Parteien. Erweist sich der eine als friedfertig, der andere aber als Störer oder Provokateur, wird es schwierig.

So gehört es zur vertragsgemäßen Gebrauch einer Wohnung, diese so nutzen zu können, dass man als Mieter in Ruhe und friedfertig leben kann. Ist dieser Idealzustand gestört, kann der Mieter in vielen Fällen die Miete mindern.

Oft ist die Grenzbeziehung schwierig, wenn sozial übliche, unerhebliche oder kurzzeitige Störungen die Wohnqualität beeinträchtigen. Wir zeigen in diesem Artikel wann eine Mietminderung angebracht ist und wann eher nicht.

Wenn Persönlichkeitsrechte miteinander konkurrieren

Das Recht eines Mieters auf eine durch Nachbarn ungestörte Wohnqualität ist im Rahmen des Persönlichkeitsrechts eines jeden Menschen zu sehen. Jeder Mensch, so auch der Mieter, hat grundgesetzlich das Recht, seine Persönlichkeit frei zu entfalten, insbesondere in seinen eigenen vier Wänden. Was er dort tut, geht niemanden etwas an.

Dabei darf er sein Persönlichkeitsrecht aber nur soweit ausleben, bis er die Persönlichkeitsrechte seiner Nachbarn tangiert. Das Persönlichkeitsrecht endet dort, wo das Persönlichkeitsrecht eines anderen beginnt. Da die Grenzziehung meist sehr schwierig ist, sind gerade im Mieteralltag immer wieder Kompromisse gefordert. Jeder Mieter muss berücksichtigen, dass er von seinem Nachbarn nur das erwarten darf, was er selbst vorlebt. Wer beanstandet, dass der Hund des Nachbarn ständig kläfft, darf nicht vergessen, wenn seine eigenen Kinder im Treppenhaus lärmen und auch insoweit die Ruhe stören.

Maßstab für das Verhalten, das Mieter gegenseitig voneinander verlangen können, ist das Empfinden und die Beurteilung eines verständigen Durchschnittsmenschen. Besondere Empfindlichkeiten eines Mieters sind als solche subjektiv, durch Dritte kaum nachzuvollziehen und müssen dabei außer Betracht bleiben.

Der Zeitgeist fördert die Ignoranz

Im Idealfall hilft das Gespräch unter Nachbarn. Ein verständiger Nachbar sollte Verständnis zeigen und sein Verhalten anpassen. Gerade in unserer Zeit zeigt sich dieser Weg jedoch oft verschlossen, da zunehmender Egoismus, Gleichgültigkeit und Ignoranz den Blick für die Situation anderer oft verstellen.

Mietminderung wegen Nachbarn – Beispiele ohne Ende

Häufigster Anlass für Streitigkeiten unter Nachbarn und damit für eine Mietminderung ist, wenn der Nachbar lärmt. Dabei wird oft wenig Rücksicht auf die Hausordnung genommen. Dort kann beispielsweise das Musizieren während der Mittagszeit untersagt sein oder das Grillen auf dem Balkon.

Feierlichkeiten in der Wohnung oder Gartenfeste gehen immer auf Kosten derjenigen, die nicht eingeladen sind. Empfängt der Nachbar ständig und nachts Besuch, fühlt sich mancher Mieter gestört. Vor allem gilt dies, wenn in der Nachbarwohnung der Prostitution nachgegangen wird und sich dadurch bedingt im Haus ständig fremde oder gar zwielichtige Personen aufhalten.

Duscht der Nachbar, muss der Mieter auch häufiges Duschen in einem Mehrfamilienhaus grundsätzlich hinnehmen, sofern die Dauer von 30 Minuten nicht überschritten und seine Nachtruhe nicht gestört wird.

Dreht ein Nachbar sein Fernsehgerät oder Radio über die Zimmerlautstärke hinaus auf, darf sich der Mieter gestört fühlen.

Wer Nichtraucher ist, muss akzeptieren, dass der Nachbar auf dem Balkon raucht und Zigarettenrauch in seine Wohnung dringt. Angesichts einer veränderten Bevölkerungsstruktur muss ein Mieter auch fremdartige Kochgerüche als sozial üblich akzeptieren. Wo die Grenze der Zumutbarkeit überschritten wird, hängt von den Umständen im Einzelfall ab. Hier mehr zu den Gerüchen aus der Nachbarwohnung.

Bohrt und hämmert der Nachbar in seiner Wohnung, muss der Mieter dies akzeptieren, soweit dies gelegentlich und nur kurzzeitig erfolgt. Wird die Wohnung umfangreich saniert, können hingegen Minderungsansprüche begründet sein.

Ist der Nachbar Tierfreund, muss der Mieter die Tierhaltung, soweit sie mietvertraglich nicht eingeschränkt ist, akzeptieren, sofern der übliche Rahmen nicht überschritten wird. In diesem Bereich gibt es viele Streitigkeiten, bei denen immer um die Frage der Zumutbarkeit gestritten wird. So stellt das schrille, über Stunden dauernde Pfeifen eines Graupapageis in einer Wohnung keine zumutbare Lärmbelästigung mehr dar. Ebenso wenig muss ein Mieter die Haltung einer bedrohlichen Bulldogge akzeptieren.

Übt ein Nachbar in seiner Wohnung eine gewerbliche Tätigkeit (Prostitution, Kinderbetreuung, Schreibbüro, Vermietung an Touristen) aus, stellt sich die Frage, inwieweit dies zur Zweckentfremdung der Wohnung führt und ein Mieter sich beeinträchtigt fühlen darf.

Lagert der Nachbar seinen Sperrmüll oder seinen Hausrat im Treppenflur oder vor seiner Wohnungstür, fühlen sich Mieter regelmäßig räumlich und optisch beeinträchtigt. Ungeachtet dessen, dürfen Fahrräder und Kinderwagen im Treppenhaus abgestellt werden, sofern eine andere Unterbringung nicht vorhanden ist.

Auch gibt es kuriose Fälle, wie den des Stehpinklers, dessen Urinstrahlgeräusche die Nachtruhe des Nachbarn beeinträchtigten.

Mieter ist oft in einer Beweisnotlage

Problematisch ist meist, dass der sich beeinträchtigt fühlende Mieter für die Beeinträchtigung beweispflichtig ist und in letzter Konsequenz dem Richter beweisen muss, dass die Verhaltensweise des Nachbarn für ihn unzumutbar ist. Hilfreich ist, eine ausführliche Dokumentation (Lärmprotokoll) zu erstellen oder Zeugen hinzuzuziehen.

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2 Antworten auf "Mietminderung: Nachbarn"

  • Mareike
    15. Oktober 2017 - 13:27 Antworten

    Hallo,
    kann ich die Miete auch kürzen wenn der Nachbar ständig an meine Sachen geht,mich bedroht,anschreit und beleidigt und Wege versperrt die dazu da sind in den Keller zu gelangen und die Abfalltonnen vor‘s Haus zu fahren? Mein Vermieter hat die Nachbarn schon mehrmals aufgefordert die Wege frei zu machen, an meinen Sachen weg zu bleiben und mich in Ruhe zu lassen. Vor 6 Wochen hat er Ihnen die fristlose Kündigung zukommen lassen doch sie ziehen nicht aus, er hat jetzt wohl alles an einen Anwalt übergeben aber mir sind die Wege immer noch versperrt und ich werde immer noch belästigt.Das ganze geht jetzt seit 15 Monaten. Ich habe zuviel Einkommen für einen Beratungsschein aber zuwenig um mir einen Anwalt leisten zu können.
    Leider findet man zu solch einem Thema was böse Nachbarn betrifft gar nichts im Internet.
    Liebe Grüße,
    Mareike

    • Maik Braun
      7. Februar 2018 - 12:23 Antworten

      Hallo Mareike,

      hast du eine brauchbare Antwort bekommen auf dein Problem? Bei uns sieht es genauso aus. Nur das der Vermieter (Wohnungsgesellschaft) diesem Nachbarn nicht kündigt. Wir sind mit 4 Mietern die sich regelmäßig beim Vermieter beschweren. Es kommen aber nur Aufforderungen und unseres Wissens eine Abmahnung bisher. Das Läuft jetzt seit 13 Monaten. Es zerrt an den Nerven und mindert die Wohnqualität immens.

      Lieben Gruß
      Maik

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